Staunend begutachteten die Führungskräfte das Innere meines Flügels. Ich war eingeladen worden, über das Artist Mindset zu sprechen und darüber, was es Führungskräften im Umgang mit Technik, insbesondere mit KI, geben kann.

Eine lebhafte Diskussion entstand: „Unsere Ausgaben für Technologie sind etwa 50-mal so hoch wie für die Weiterbildung. Investieren wir vielleicht zu viel in einen perfekten Flügel, aber zu wenig in die Pianistin, die darauf spielen soll? Haben wir einen Technologie-Bias? Welche Eigenschaften sollten wir weiterentwickeln, um das Potenzial unserer KI-Investitionen voll nutzen zu können?“

Der Blick in meine Welt als Konzertpianistin machte vier Aspekte sichtbar, die auch für Führungskräfte von Bedeutung sein können:

1. Technische Kompetenz
Ein hervorragendes Instrument zu besitzen und es technisch zu beherrschen, ist die Grundlage. Es allein macht mich jedoch noch nicht zu einer herausragenden Pianistin.

2. Haltung
Im Konzert wird sichtbar: Habe ich etwas zu erzählen? Ist Leidenschaft spürbar? Riskiere ich etwas? Probiere ich etwas Neues aus? Kann ich mit Fehlern umgehen?

3. Wahrnehmung
Ich muss wahrnehmen, was um mich herum geschieht – die Zuhörer, den Raum, die Atmosphäre – und ebenso mich selbst: Wo liegen meine Stärken? Wie kann ich diese nutzen?

4. Gestaltung
Im Konzert muss ich all das punktgenau zusammenführen – unter höchster Beobachtung und maximalem Druck. Was spielerisch leicht aussieht, ist in Wahrheit Höchstleistung.

Jeden dieser Aspekte machte ich durch musikalische Beispiele hörbar und unmittelbar erlebbar. Die Führungskräfte schätzten den Perspektivwechsel. Jemand brachte es auf den Punkt:

„Wenn KI immer mehr zur Commodity wird, werden diese Aspekte vermutlich auch für uns erfolgsentscheidend. Sie aus einer anderen Perspektive zu erleben und emotional zu erfahren, macht ihre Bedeutung für unsere eigene Arbeit unmittelbar spürbar.“