Wenn KI überall verfügbar ist – was macht dann noch den Unterschied?
Eine Konzertpianistin über technische Exzellenz, menschliche Fähigkeiten und ihr 3-Schlüssel-Prinzip für die KI-Transformation
In einem Gespräch erzählte mir eine Führungskraft eines großen deutschen Unternehmens, dass dort etwa 50-mal mehr Geld in Technik und Technologie investiert wird als in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Und selbst bei der Weiterbildung – häufig in Form von Online-Kursen – steht vor allem die Technologie im Mittelpunkt.
Kann das auf Dauer gutgehen?
Aus der Perspektive einer Konzertpianistin habe ich Zweifel. Seit Jahrzehnten arbeite ich kontinuierlich an meiner Technik. Sie ist die unverzichtbare Grundlage meines Spiels. Technische Exzellenz ermöglicht es mir, ein anspruchsvolles Konzert sicher zu bewältigen.
Doch Technik allein garantiert noch lange kein erfolgreiches Konzert. Denn alle professionellen Pianisten streben nach technischer Exzellenz. Wenn mein Spiel nur darauf beruht, ist es seelenlos und austauschbar.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Welchen Anspruch habe ich an das, was ich tue? Als Künstlerin will ich meinen Zuhörern etwas Besonderes geben: eine Erfahrung, die sie berührt, inspiriert oder begeistert – und die meine persönliche Handschrift trägt. Bei mir kommt es darauf an, Möglichkeiten wahrzunehmen, eigene Ideen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen, obwohl es mehrere richtige Möglichkeiten gibt. Etwas auszuprobieren, ohne vorher zu wissen, ob es funktioniert. Und manchmal auch den Mut zu haben, nicht das Erwartbare zu tun.
Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, sich von ihren Mitbewerbern zu unterscheiden. Dazu brauchen sie mehr als nur leistungsfähige Technologie. Sie müssen Angebote und Lösungen entwickeln, die eigenständig, relevant und unverwechselbar sind. Mit einem reinen „Technik-Bias“ dürfte das kaum gelingen.
Aber wie entsteht etwas Eigenständiges?
Für mich basiert das „Artist Mindset“ auf einem „3 Schlüssel-Prinzip“:
Der erste Schlüssel ist die Haltung. Mit welcher Einstellung begegne ich meiner Aufgabe? Welche Vorstellung treibt mich an? Wie gehe ich mit Rückschlägen um? Und woher nehme ich den Mut und die Energie, immer wieder etwas Neues auszuprobieren?
Der zweite Schlüssel ist die Wahrnehmung. Wie realistisch kann ich meine eigene Leistungsfähigkeit einschätzen? Wie aufmerksam nehme ich meine Umgebung und andere Menschen wahr? Der Artist hat eine intensive Wahrnehmungsfähigkeit, weshalb er Dinge sieht, die anderen nicht sehen und Fragen stellt, die andere nicht stellen.
Der dritte Schlüssel ist die Gestaltungskompetenz. Ich muss meine Mittel beherrschen, ihre Möglichkeiten kennen und entscheiden können, wann und wie ich sie sinnvoll einsetze. Dazu gehören technische Fähigkeiten, aber auch das Wissen um Gestaltungsmethoden.
Erst im Zusammenspiel dieser drei Schlüssel entsteht etwas Eigenständiges.
Die KI erweitert in den Unternehmen die Möglichkeitsräume in einem ungeahnten Tempo und Ausmaß. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, bestehende Prozesse schneller oder günstiger zu machen. Entscheidend ist, mit ihrer Hilfe etwas Neues zu gestalten.
Die hohen Erwartungen meiner Zuhörer kann ich in meinen Konzerten nur dann erfüllen, wenn ich die vorhandenen Möglichkeitsräume ausschöpfe. Je besser mir das gelingt, desto größer ist die Chance, dass ich die Erwartungen meiner Zuhörer übertreffe und sie begeistere.
Diesen Perspektivwechsel aus der Welt einer Konzertpianistin bringe ich in meine Seminare, Interventionen und Vorträge ein. Am mitgebrachten E-Piano zeige ich live, wie ich meine drei Schlüssel zusammenführe.
Die musikalische Demonstration macht abstrakte Zusammenhänge unmittelbar erlebbar. Das Gesagte wird nicht nur verstanden, sondern emotional erfahren – und bleibt dadurch im Gedächtnis.
KI eröffnet neue Möglichkeits- und Gestaltungsräume. Das Artist Mindset mit seinem 3-Schlüssel-Prinzip hilft dabei, diese Räume wahrzunehmen, eigene Ideen zu entwickeln und daraus etwas Neues zu gestalten.
