Beim Lesen über die KI-Transformation frage ich mich manchmal, was mir als Konzertpianistin wohl ein CEO eines der großen internationalen Unternehmen raten würde.
Ich lese im Zusammenhang mit der KI-Transformation solche Sätze: „Die härteste Hürde ist nicht die Technik, sondern das Change-Management.“ „Man soll nicht allein auf Effizienz schauen, sondern neue Geschäftsmodelle entwickeln.“ „Es kommt in Zukunft auf die agentische Orchestrierung von Prozessketten an.“
Ich bin seit vielen Jahren international als Konzertpianistin tätig. Der Markt im klassischen Konzertgeschäft verändert sich rasant: Auf der Angebotsseite gibt es enorm viele gute Pianistinnen und Pianisten – verstärkt durch Zuwanderung und verbesserte Lernmethoden. Auf der Nachfrageseite können die großen Veranstalter mit hohen Marketingbudgets noch genügend Publikum anziehen. Kleinere Veranstalter tun sich hingegen zunehmend schwer.
Was würde mir nun ein CEO wohl raten? Konzentriere dich weniger auf deine Technik, sondern mehr auf dein Konzertkonzept? Gehe agentisch vor: Orchestriere alle Erfolgsfaktoren wie Interpretation, Publikum, Bühne, Technik, Emotion, Outfit usw.? Entwickle ein klares Profil und eine klare Persönlichkeit? Lege alte Glaubenssätze ab – den Wunsch nach Perfektionismus, die Angst vor Fehlern – und mache aus deinem Konzert ein Erlebnis?
Ich nehme natürlich gerne Ratschläge von CEOs an. Als Künstlerin bin ich jedoch fest davon überzeugt, dass auch Führungskräfte vom Artist Mindset lernen können. Die anhaltende Leidenschaft, etwas zu verändern, der unablässige Wille, die Grenzen der Vorstellungskraft zu sprengen, die Fähigkeit, das Unerwartete als Chance zu sehen, die spielerische Leichtigkeit auch unter hoher Belastung zu bewahren, der Mut, etwas Außergewöhnliches zu wagen und vieles mehr sind sicherlich erfrischende Impulse für Führungskräfte in Zeiten großer Umbrüche.
